Otto Werner

(1854-1923)

Stadtgärtner und Gartendirektor – Gestalter des grünen Chemnitz

Otto Werner wurde am 17. März 1854 in Freiburg im Kreis Schweidnitz in Schlesien geboren. Bereits mit vierzehn Jahren begann er seine Ausbildung zum Kunstgärtner im Schlossgarten Fürstenstein. Nach weiteren beruflichen Stationen, unter anderem im Botanischen Garten Berlin-Schöneberg, kam er 1876 in den Großen Garten nach Dresden. Dort wurde er 1877 zum Obergärtner befördert und sammelte umfangreiche Erfahrungen in der Gestaltung und Verwaltung großer öffentlicher Gartenanlagen.

1882 bewarb sich der damals 28-Jährige erfolgreich um die Stelle des Stadtgärtners in Chemnitz. Am 16. Oktober 1882 trat er sein Amt an. Damit begann eine rund vier Jahrzehnte währende Tätigkeit, die das Erscheinungsbild der rasch wachsenden Industriestadt nachhaltig verändern sollte. 1895 verlieh ihm die Stadt den Titel Garteninspektor, 1900 wurde er Gartendirektor.

Unter Werners Leitung wuchs die Fläche der städtischen Grünanlagen von etwa 12 auf rund 210 Hektar. Zu seinen wichtigsten Leistungen gehörten die Entwicklung des Stadtparks und die Umgestaltung des Küchwaldes zu einem Wald- und Volkspark. Daneben entstanden zahlreiche Schmuckplätze und Grünanlagen im gesamten Stadtgebiet. Auch der Schulpflanzgarten gehörte zu den Projekten, mit denen Chemnitz überregional Beachtung fand.

Werner verstand öffentliche Grünanlagen nicht nur als Verschönerung der Stadt. Parks und Plätze sollten der Erholung, der Bewegung und dem gesellschaftlichen Leben dienen und damit zur Lebensqualität der Bevölkerung beitragen. Dieses Verständnis moderner Stadtgestaltung prägte seine Arbeit. Seine Pläne für den Küchwaldpark und den Schulpflanzgarten wurden 1903 auf der Deutschen Städteausstellung in Dresden präsentiert.

Auch über Chemnitz hinaus genoss Werner hohes fachliches Ansehen. Von 1896 bis zu seinem Tod war er Vorsitzender des Erzgebirgischen Gartenbauvereins Chemnitz. Er wirkte als Preisrichter bei bedeutenden Gartenbauausstellungen und als Sachverständiger. 1907 wurde er für seine Verdienste zum Ehrenmitglied der Sächsischen Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“ ernannt.

Otto Werner blieb bis kurz vor seinem Tod im Dienst. Er starb am 7. Mai 1923 im Alter von 69 Jahren in Chemnitz und wurde auf dem Schloßfriedhof beigesetzt. Sein bleibendes Vermächtnis sind die Parks, Plätze und Grünanlagen, die Chemnitz bis heute prägen. Mit seiner Aufnahme in die „Großen Chemnitzer“ im September 2026 wird an einen Mann erinnert, der entscheidend dazu beitrug, aus der Industriestadt Chemnitz auch eine grüne Stadt zu machen.

Nach Doris Schöpe, gekürzt und redaktionell bearbeitet


Foto: Privatbesitz