Carl Friedrich Uhlig

(1789-1874)

 
Carl Friedrich Uhlig wurde im April 1789 in Bernsdorf bei Chemnitz geboren, lernte Strumpfwirker, spielte Klarinette in einem Chemnitzer Orchester und betrieb seit 1819 eine Musikalienhandlung am Anger 902 (heute etwa Brückenstraße 10). 1834 konstruierte er eine kleine wechseltönige Concertina und stellte sie im „Chemnitzer Anzeiger“ als sein „Accordion neuer Art“ vor. Im Gegensatz zum heutigen Akkordeon sind Knöpfe seines Instruments nicht mit Akkorden, sondern Einzeltönen unterlegt. Zu einer ähnlichen Entwicklung kam es in England, sie wurde englische Concertina, die von Uhlig später deutsche Concertina genannt, obwohl sie technisch nicht übereinstimmen. Bei der Chemnitzer Concertina handelte es sich um ein kleines wechseltöniges Instrument mit je fünf Knöpfen, jeweils mit der rechten und linken Hand zu bespielen. Da dieses wechseltönige Instrument beim Aufziehen und Zusammendrücken des Balgs zwei verschiedene Töne erzeugte, verfügte es über einen Tonumfang von 20 Tönen. Alle Konzertinas haben also, wie auch die Bandoneons, keine fertigen Akkorde, sie sind einzeltönig. Aus diesem Grunde sind sie den Instrumenten mit vorgefertigten Akkorden in den Möglichkeiten der Harmonik und der Stimmführung weit überlegen. Ab 1840 nahm die Fertigung des neuen Instruments auf der Unteren Brückenstraße 4 in Chemnitz Fahrt auf. Sicher entstanden viele Teile in Heimarbeit und wurden in Uhligs Unternehmen endmontiert. Trotz Geheimhaltung der Produktionsdetails, einen Patentschutz gab es noch nicht, bauten bald entstandene Konkurrenzunternehmen in Chemnitz und Umgebung die Erfindung nach. Ab 1847 war C.F. Uhlig regelmäßig mit seinen Instrumenten auf Messen und Ausstellungen vertreten. Dadurch wurde die Innovation schnell auch überregional bekannt und an vielen Standorten im Erzgebirge und Vogtland gebaut. Zahlreiche Concertina Vereine bildeten sich und pflegten das gemeinsame Musizieren. Uhligs Werkstatt führten sein Schwiegersohn F. A. Lange und dessen Nachkommen an neuen Stadtorten in Chemnitz weiter. Das Bandoneon ist eine Weiterentwicklung der Concertina. Im erzgebirgischen Carlsfeld zu tausenden gebaut, reiste es im Gepäck vieler Auswanderer mit nach Argentinien. Dort entwickelte sich auf ihm gespielt der Tango Argentino, heute ein immaterielles Weltkulturerbe. Seine Seele ist das als „A-A“ bezeichnete Bandoneon der Carlsfelder Firma Alfred Arnold. In den 20er/1930er Jahren wurden über 30.000 Instrumente nach Argentinien und Uruguay exportiert. Ihr
Klangbild gilt als Maßstab für jeden Bandoneonproduzenten. Mit der Enteignung der Firma Arnold nach dem Zweiten Weltkrieg endete die Herstellung der Bandions in Carlsfeld. Mit der Erfindung der Concertina begründete Carl Friedrich Uhlig die Voraussetzung für die Weiterentwicklung zum Bandoneon. Chemnitz kann daher die Wiege des Bandoneons genannt werden.